Ich habe herausgefunden, dass meine Digitalkamera einen Unschärfekreis von 0,06 hat. Was bedeutet das? Hat das vielleicht etwas mit der Hyperfokaldistanz und der Schärfentiefe zu tun? [5/8]
Ich habe herausgefunden, dass meine Digitalkamera einen Zerstreuungskreis von 0,06 hat. Was bedeutet das? Hat das vielleicht etwas mit der hyperfokalen Distanz und der Schärfentiefe zu tun?Fangen wir ganz von vorne an, also bei der Sehdistanz. Die Regel, um ein Foto richtig zu betrachten, ist, es in einem Abstand aufzuhängen, der seiner Diagonale entspricht. Wenn also ein Foto im Format 20×25 gedruckt wurde, sollten wir es in einem Abstand von 32 cm anschauen, um es richtig zu sehen. Warum?
Weil das menschliche Auge, also ein „gesundes“ Auge, das weder kurzsichtig noch weitsichtig ist, eine begrenzte Auflösung hat und alle kleinen Kreise mit einem Durchmesser von 0,20 mm als Punkte wahrnimmt: Wenn man das Foto aus der richtigen Sehdistanz betrachtet, macht das Auge keine „Lesefehler“.
Wenn der Durchmesser des Kreises größer oder kleiner als 0,20 mm ist, sieht das Auge Unschärfen an den Konturen und das Bild erscheint uns unscharf.
Lassen Sie es uns genauer erklären: Beim Scharfstellen eines Bildes wird jeder Punkt des Motivs auf die Filmebene projiziert und dieser Punkt entspricht der Spitze eines Kegels. Wenn das Objektiv von guter Qualität ist und wir richtig fokussiert haben, ist der Punkt winzig, andernfalls hat er die Form eines kleinen Kreises mit einem mehr oder weniger großen Durchmesser.
Zerstreuungskreis
Das ist der sogenannte „Zerstreuungskreis“. Seine Größe hängt von der Art der Kamera und vom Vergrößerungsfaktor des Fotodrucks ab: je mehr vergrößert wird, desto unschärfer werden die Details; je näher wir das Bild betrachten, desto mehr Fehler sehen wir. Um jederzeit zu wissen, wie groß unser Zerstreuungskreis ist, müssen wir den Ausgangswert durch den Vergrößerungsfaktor teilen. Ein 20×25-Foto, das im Kontaktabzug aus einem Negativ gleicher Größe hergestellt wurde und somit ein Vergrößerungsverhältnis von 1:1 hat, hat einen Zerstreuungskreis von 0,20 mm.
Drucken wir hingegen ein 20×25-Foto aus einem 24×36-Negativ, dessen Diagonale 43 mm beträgt, wird das Original um das 7,56-fache vergrößert, und somit hat der Zerstreuungskreis einen Wert von 0,026 mm. Die Sensoren von Digitalkameras, außer denen teurer Vollformat-DSLRs, sind viel kleiner als das traditionelle 35-mm-Format, und natürlich ist auch ihr Zerstreuungskreis entsprechend kleiner.
Einfach gesagt bedeutet das, dass man mit einer Digitalkamera keine sehr großen Fotos drucken kann, sonst tritt der „Unscharf“-Effekt auf.
Wie kann man dieses Problem minimieren? Indem man weiter abblendet. Wenn man die Blendenlamellen schließt, fallen die Lichtstrahlen, die auf die Filmebene projiziert werden, weniger schräg ein, die Spitze des Kegels hat einen spitzeren Winkel und der Zerstreuungskreis wird kleiner als bei offeneren Blenden.
Um eine größere Schärfeindikation zu erhalten, ist es oft vorteilhaft, ein Weitwinkelobjektiv zu verwenden. Das fotografierte Motiv hat kleinere Details und die gesamte Szene wirkt schärfer. Wir dürfen auch die Regel der Fotojournalisten nicht vergessen: „f:8 and be there“, also Blende 8 einstellen und am richtigen Ort sein, dann bringt man auf jeden Fall ein gutes Foto mit nach Hause.
Allerdings muss man sagen, dass das Ergebnis mit für digitale Kameras konzipierten Objektiven bei Blende 8 nicht mit dem der alten manuellen Objektive vergleichbar ist. Es stimmt zwar, dass man sich wegen des durch den kleinen Sensor bedingten Zuschneideeffekts (Crop) für eine ähnliche Bildkomposition zum 35-mm-Format vom Motiv weiter entfernen muss, was die Schärfentiefe etwas vergrößert, aber gleichzeitig sind die Objektive an digitalen Kameras weniger lichtstark und erfordern eine kleinere Öffnung als f:8, oft mindestens f:11.35mm entfernen, was uns etwas bei der Schärfentiefe zugutekommt. Allerdings sind die an Digitalkameras montierten Objektive lichtschwächer und erfordern eine kleinere Blende als f:8, meist mindestens f:11.
Hyperfokale Distanz
Der Tipp, die hyperfokale Distanz zu verwenden, gilt weiterhin: dieser Wert ist auf der Entfernungsskala einstellbar, um eine Schärfe zu erzielen, die von etwa der Hälfte der eingestellten Entfernung bis unendlich reicht. Und da auf modernen Objektiven die Markierungen der hyperfokalen Distanz oft fehlen, kann es nützlich sein, den Wert mit der allgemeinen Formel f² geteilt durch N mal c plus f zu berechnen, wobei „f“ die Brennweite, „N“ die verwendete Blende und „c“ der Zerstreuungskreis für ein bestimmtes Druckformat ist. Zu kompliziert? Gut, dann kann man vordefinierte Diagramme oder Berechnungsprogramme verwenden, die man von der Website http://www.dofmaster.com.
Kompletter Fotokurs
- Fotokurs: Welche Kamera soll ich wählen?
- Fotokurs. Der Anfang: nützliche Tipps
- Fotokurs: Die Empfindlichkeit
- Fotokurs: unscharf oder verwackelt?
- Fotokurs: der Zerstreuungskreis
- Fotokurs: die Blenden
- Fotokurs: Der Akku
- Fotokurs: Wie man die Kamera hält

Hinterlasse jetzt einen Kommentar